Religiös motivierter Sozialismus, christlicher Kommunismus und
die heutige Situation
Sommer
2009
Innerhalb
dieses Textes sollen einerseits sozailistische oder kommunistische
Gemeinschaften mit religiösem Hintergrund der Vergangenheit
vorgestellt, und andererseits daraus Schlüsse für die
gesellschaftliche
Situation der Gegenwart gezogen werden. |
Christentum und Kommunismus werden von vielen Menschen als unvereinbare
Gegensätze angesehen. Aus Zeitgeschichtlicher Sicth könnte
man, oberflächlich betrachtet, in der Tat in Versuchung geraten zu
meinen, dass es sich bei diesen beiden Bewegungen um sich ständig
bekämpfende Gegenspieler handelt.
Beschäftigt man sich jedoch näher mit der Materie, bemerkt
man unweigerlich einerseits die inhaltlichen Parallelen und
andererseits die geschichtlichen Zusammenhänge. Der
wissenschaftliche Kommunismus ist im 19. Jahrhundert (maßgebend
durch Marx und Engels) mit dem Ziel entstanden, gerechte
Lebensverhältnisse fü alle zu schaffen und die Ausbeutung des
Menschen durch den Menschen zu beenden. Doch ist nicht Gerechtigkeit
etwas, dass seit jeher von Christen angestrebt wird? Und beruht jede
Form der Ausbeutung nicht auf Habgier, die in der Bibel selbst als
Wurzel allen Übels bezeichnet wird? Und lebten nicht schon die
ersten christlichen Gemeinden nach dem Prinzip "Jeder nach seinen
Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen", wie man es auch
in der Apostelgeschichte nachlesen kann?
Karl Marx und Friedrich Engels waren Mitglieder und wohl auch leitende
Persönlichkeiten im Bund der Kommunisten, einer Organisation zur
Verbreitung des Kommunismus und welche auch eine Art Keinzelle für
die Gründung von kommunistischen Parteien war. Dieser ist jedoch
aus dem Bund der Gerechten entstanden, was wiederum eine stark
christlich geprägte Vereinigung war, nicth zuletzt auch weil ihr
Initiator Wilhelm Weitling bekennender und praktizierender Christ war.
Der zweite Bund konnte nur aus dem ersten entstehen, da sie
ähnliche Ziele hatten, wie z.B. den Wunsch nach einer besseren,
gerechteren Welt.
Es gibt noch viele weitere historisch belegte Beispiele von der
Zusammenarbeit von Christen und Kommunisten oder der Kombination von
Christentum und Kommunismus in politischen oder wirtschaftlichen
Bereichen. Die gegenseitigen Probleme entstanden vor allem in der Zeit
des so genannten Realsozialismus, der in Wahrheit eine Perversion der
ursprünglichen kommunistischen Gedanken und Vorhaben, und
letztlich nur eine neue Möglichkeit der Ausbeutung und
Manipulation der Bevölkerung war. Dieser Realsozialismus war es
auch, der eine großen Teil seiner Macht dazu einsetzte, das
Christentum und die Kirche zu bekämpfen. Aufgrund von geistigen
Überbleibseln aus diesen Zeiten sehen Christen und Kommunisten
auch heute noch einander mit Vorurteilen an, was eine
gesellschaftsgestaltende Zusammenarbeit verhindert.
Die Herrschenden Kräfte wollen auch, dass dies so bleibt. Ein
Gläubiger Christ ist ebensowenig von der sinnlosen Konsum- und
Wegwerfgesellschaft angetan wie ein wahrer Kommunist. Beide Gruppen,
sofern man sie überhaupt voneinander unterscheiden muss, sind also
Feinde des gegenwärtigen Turbokapitalismus und seiner Profiteure -
denn sie stellen das Bedürfnisprinzip über das Prinzip der
Profitmaximierung.
Dennoch gibt es natürlich auch eingige grundlegende Unterschiede
zwischen den Weltbildern des Kommunismus und des Christentums, ein
Beispiel hierfür ist z.B. die Rolle der Familie innerhalb der
Gesellschaft. In diesen Fällen des Konfliktes halte ich es
für richtig, den christlichen Standpunkt zu vertreten. Allerdings
glaube ich, dass es für die heutige Situation wichtig ist, sich
auf die Gemeinsamkeiten zu konzentrieren um so gemeinsam (mit allen
Menschen guten Willens) positive Veränderungen bewirken zu
können.